Unser Anbau


Vielfaltsgärtnerei am Rand der Stadt

Kern unseres Betriebes ist der eigene Anbau von Gemüse, Kräutern und auch etwas Obst. Unser Ziel ist es, unsere Kunden weitestgehend ganzjährig mit frischem Gemüse abwechslungsreich zu versorgen. Deshalb bauen wir fast alle bekannteren Gemüsearten an, teilweise in mehr als 20 Sätzen pro Jahr. Aber auch weniger bekannte Arten wie Pastinaken oder Mangold, fast vergessene wie den Butterkohl oder noch nicht bekannte Arten wie Cardy oder Zichorie ergänzen gelegentlich unser Angebot, denn es gibt noch manches zu entdecken. Inzwischen haben wir auch einige Reihen Beerenobst wie Johannis-, Stachel- und Himbeeren angepflanzt. Und so manche kleinere Fläche und Randbeete lassen sich noch für den Kräuteranbau nutzen.

Neben dem Gartenbau versuchen wir noch einige andere Ziele umzusetzen: Mit den Methoden der biologisch-dynamischen Wirtschaftsweise versuchen wir nach und nach, aus den mageren Sandböden der Avenwedder Heide fruchtbareres Gartenland zu machen. Dadurch ist beispielsweise der Humusgehalt unserer Böden gestiegen, was nebenbei auch noch zu einer nicht ganz unerheblichen CO2-Speicherung führt. Darauf können dann auch anspruchsvollere Gemüsearten gut gedeihen. Damit wir die Pflanzen von Anfang an begleiten können, d.h. von der Sortenwahl und dem Aussaatzeitpunkt an, ziehen wir unsere Jungpflanzen im Betrieb weitgehend selber an. So können wir auch Sorten wählen, die sonst nicht angebaut werden oder Saatgut aus eigener Vermehrung bzw. Züchtung verwenden. Um die Vielfalt um unsere Kulturflächen herum zu erhöhen, kümmern wir uns auch um die Randflächen mit Wildstauden, Feuchtbiotopen und Blütenhecken. Aus einem lebendigen Umfeld heraus möchten wir möglichst vitale Lebensmittel gewinnen und Ihnen zur Verfügung stellen. Auf diese Weise versuchen wir, durch unseren Anbau Bio mit echtem Mehrwert zu liefern.

Unsere Gärtnerei:

Unsere Gärtnerei liegt am östlichen Stadtrand von Gütersloh und umfasst insgesamt etwa 5 Hektar Land. Der Betrieb teilt sich in drei Teile: Gewächshäuser und Folientunnel, das Land direkt um den Betrieb für das Feingemüse und die entfernter liegenderen Felder mit dem etwas robusteren Feldgemüse. Insgesamt werden ca. 3 Hektar Gemüse angebaut. Die Gewächshäuser und Tunnel sind das Zentrum des Betriebes: hier wird ganzjährig angebaut. Im zeitigen Frühjahr sind dies Salate, Kohlrabi, Radieschen, Spinat und Stielmus. Sofort anschliessend werden Gurken, Tomaten und Paprika gepflanzt, die den ganzen Sommer über Früchte tragen. Im Herbst folgen unmittelbar die Wintersalate Endivien, Postelein und vor allem Feldsalat.

Direkt am Betrieb befinden sich die Flächen, die wir für Früh- und Feingemüse nutzen. Dort werden in vielen Sätzen alle Freilandsalate angebaut. Im Frühjahr gehören auch der erste Kohl (Kohlrabi, Blumenkohl, Spitzkohl, Wirsing) sowie die ersten Möhren hierher. Im Sommer sind Zucchini, Bohnen, Mangold und Fenchel dabei.Zum Herbst dürfen hier dann auch Endivien und Zichorienarten, Spinat, Grünkohlvariationen und Feldsalat wachsen.

In der näheren Umgebung bewirtschaften wir noch fünf weitere Felder. Auf einem Feld werden die verschiedenen Sommer- und Herbstkohlarten angebaut: weitere Sätze Blumenkohl, Brokkoli, Wirsing, dazu Chinakohl für die laufende Ernte, Rosenkohl, Steckrüben, Rot- und Weisskohl und Wirsing für den Winter. Ein weiteres Feld ist hauptsächlich für Kürbis und Mais vorgesehen. Es folgen Porree und späte Wurzelgemüse wie Möhren, Rote Bete, Pastinaken und Chicoreewurzeln. Frühe Wurzelgemüse und die verschiedenen Zwiebelsorten folgen im Jahr danach, vevor im fünften Jahr Kartoffeln die Fruchtfolge abrunden.

Lebensmittel mit Charakter

Möhren sind nicht gleich Möhren. Dies weiss jeder, der schon einmal unterschiedliche Möhren probiert und verglichen hat. Die geschmackliche Bandbreite kann sehr gross sein und die Frage ist natürlich, was eine gute Möhre ausmacht. Heute wird der Geschmack oft über den Zuckergehalt oder das Zucker-Säure-Verhältnis definiert. Geschmack ist aber eine komplexe Angelegenheit, die durch solche relativ einfach zu messenden Parameter nur unzureichend erfasst werden. Und schliesslich besteht ein Lebensmittel nicht nur aus seinem Geschmack, sondern aus vielen wertgebenden Komponenten, die für den Geschmack gar nicht zu erfassen sind.

Für uns kann wird eine Pflanze zum Lebensmittel, wenn sie sich arttypisch entwickeln und entfalten kann. Dazu gehört die bevorzugte Auswahl von samenfesten Sorten, die nicht durch züchterische Kniffe (und schon gar nicht durch gentechnische Veränderungen) einseitig zu Spitzenerträgen gebracht werden. Diese Sorten sollten in gesunder, fruchtbarer Erde wachsen, ausreichend versorgt mit allem, was sie brauchen, ohne durch eine überzogene Düngung zu überhöhter Wasseraufnahme und hohem Dickenwachstum getrieben zu werden. Das gesunde Wachstum von kräftigen Pflanzen erfordert auch eine gesunde und vitale Umgebung, in der sich die Einflüsse von aussen im Gleichgewicht befinden.

Wenn das alles gut gelungen ist, sollten am Ende Produkte stehen, die nicht nur gut aussehen, sondern darüber hinaus durch einen typischen und ausgewogenen Geschmack zeigen, dass Sie kräftig sind uns uns gut ernähren können.

Die Kräfte der Erde und der Natur weiterentwickeln

Grundlage der heutigen landwirtschaftlichen Bodenbewirtschaftung ist der fruchtbare Ackerboden, der über viele Generationen unserer Vorfahren zum dauerfruchtbaren Acker aufgebaut wurde. Durch kluge Bewirtschaftung wurde aus der standortypischen Naturgrundlage die Möglichkeit geschaffen, langfristig an einem Standort zu bleiben und dort ein gutes Leben führen zu können. Dies war lange Zeit nur durch Raubbau (z.B. bei den Römern) oder dem Leben als Halbnomaden (regelmässiger Umzug an einen frischen Standort, z.B. bei den Germanen) möglich. Heute ist vielfach das Bewusstsein für diese Kultrleistung verloren gegangen, auch bei denen, die alltäglich damit umgehen.

Anknüpfend an diese Entwicklung möchten wir unser Land auf jeden Fall so bewirtschaften, dass die Bodenfruchtbarkeit nicht im wieder herabgewirtschaftet wird, was durchaus möglich ist, und nachhaltig, d.h. für nachfolgende Generationen erhalten wird. Im Idealfall gelingt uns sogar, diese Fruchtbarkeit unseres Bodens ein wenig zu verbessern. Wir wirtschaften nach den Methoden der biologisch-dynamischen Landwirtschaft, weil wir davon überzeugt sind, dass die Methoden der schonenden Bodenbewirtschaftung, des regelmässigen Gründüngungsanbaus und einer konsequenten Kompostwirtschaft ein guter Weg sind, dieses Ziel zu erreichen.

Weitere Informationen zum biologisch-dynamischen Anbau und Demeter finden Sie hier:

www.demeter.de

Saatgut und Züchtung

Wenn man so wie wir möchte, dass die Pflanzen mit und aus den Kräften der Umwelt heraus wachsen, braucht man Sorten, die auch in der Lage sind, sich in einer solchen zeitweilig auch recht robusten Umgebung zu behaupten. Sorten mit einer gewissen genetischen Breite sind meist anpassungsfähiger, so dass die Pflanzen mit wechselnden Bedingungen zurecht kommen können. Es werden auch Pflanzen benötigt, die mit einer weniger üppigen Düngung sicher zu kultivieren sind. Allerdings liegt die Züchtung von Erwerbsgärtnersorten in der Hand weniger grosser, weltweit operierender Akteure, deren Hauptaugenmerk darauf liegt, Sorten bereitzustellen, die unter besten Bedingungen Höchsterträge ermöglichen. Das passt nicht gut zusammen und somit stellt sich die Frage, woher eigentlich das Saatgut stammt und für welche Zielsetzung gezüchtet wird.

So ist es erfreulich, dass es schon seit längerem aus der Initiative einer kleinen Gruppe Praktiker heraus ein Weg gefunden wurde, der mit Kultursaat e.V., Bingenheimer Saatgut AG und dem Saatgutfond der Zukunftsstiftung Landwirtschaft, um nur einige Akteure zu nennen, eine breite Trägerschaft gefunden hat. So können die Ergebnisse der Bemühungen verschiedener Praxisbetriebe zu einem Angebot gebündelt werden. Für uns ist es selbstverständlich, soweit es geht auf Sorten aus diesen Züchtungen zurückzugreifen. Darüber hinaus versuchen wir, das ein oder andere für unseren Betrieb selber zu vermehren, um so zu Sorten zu kommen, die an unsere Bedingungen angepasst sind. Und weil es sich so ergeben hat, befassen wir uns nebenbei mit der Züchtung von Tomaten und hoffen, vielleicht schon bald die ein oder andere Sorte einem breiteren Publikum vorstellen zu können.

Weitere Informationen zum Thema findet man hier:

www.kultursaat.org

www.zukunftsstiftung-landwirtschaft.de/saatgutfonds/

Einige Anbieter von alternativem Saatgut, auch für den Hausgarten:

www.bingenheimersaatgut.de

www.dreschflegel-saatgut.de

Gesunde Pflanzen durch eine grosse biologische Vielfalt:

In der Natur gibt es keine Schädlinge, sondern eine grosse Vielfalt an Lebewesen, die alle eine Aufgabe haben und sich gegenseitig im Gleichgewicht halten. Erst durch die Einseitigkeit des grossflächigen Anbaus haben die Insekten, die auf diese Kulturspezialisiert sind, einen enormen Vorteill ihren Gegenspielern gegenüber. Deshalb pflanzen wir auch Blumen in die Bestände und legen Blühstreifen an, damit die ganze Vielfalt der Insekten auf unser Feld kommt und sich auch dort ein Gleichgewicht einstellt. Das klappt zwar meistens, aber natürlich nicht immer. Mehr zum Thema finden Sie hier...